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Philharmoniker Depot

19.01.15 Gold am Ende der Korrektur. Kommt die Preisexplosion?

Gold korrigiert seit dem Hoch bei 1900 US$ im September 2011. Korrigiert es wirklich seit September 2011 oder schon länger? Korrekturen beginnen an einem Hoch und enden an einem Tief, so die oberflächliche Wahrnehmung. Betrachtet man den Bullmarkt in Gold seit dem Start im August 2011 (Grafik 1) und versucht herauszufinden, in welcher Phase der Bullmarkt ist, so komme ich zu folgendem Resultat:


- Von August 1999 bis Oktober 1999 lief die erste Bullphase.
- Von Oktober 1999 bis Februar 2001 lief die erste Korrektur.
- Von Februar 2001 bis April 2006 lief die 2. Bullphase.


Warum dauerte diese 2. Bullphase oder 3. Welle nicht bis März 2008, was auf den ersten Blick auch Sinn macht? Weil die Bewegung von den Tiefs 2006 bis März 2008 keine fünf-Wellen-Struktur aufweist. Auch beträgt die zeitliche Länge der Bewegung von 2001 bis 2006 fünf Jahre und jene bis 2008 sieben Jahre. Die Untersuchung der letzten 200 Jahre der Gold Bull- und Bearphasen zeigt, dass diese Phasen entweder in Jahren oder Monaten gemessen Fibonaccizahlen (1,2,3,5,8,13,21,34,55 usw.) sind. Fünf (was für die Spitze in 2006 spricht) ist eine solche Zahl und sieben (für 2008) nicht. Das ist einfach ein Erfahrungswert und eine Begründung gibt es nicht und ob das immer so sein wird, weiss auch niemand.


Grafik 1: Gold mit den 2 ersten Bullphasen.

Wenn März 2006 das Ende der 2. Aufwärtsbewegung (die dritte Welle) war, wo endet dann die 2. Korrektur (die 4. Welle)? Zuerst dachte ich, das sei Oktober 2008. Es würde auch genau passen: die Korrektur ist das Gegenteil der Korrektur von 1999 bis 2001, dauerte zwei Jahre und der Preisanstieg ab Oktober 2008 erfolgte impulsiv. Vom Tief im Oktober 2008 lief die erste Impulsbewegung bis Februar 2009, die erste Korrektur dazu bis April 2009 und dann erfolgte eine lange zweite Impulsbewegung bis September 2011. Was noch fehlte, war eine letzte Korrektur und eine letzte explosive Impulswelle, um eine fünf-Wellen-Struktur von Oktober 2008 als auch von August 1999 zu vervollständigen. Bis Juni 2012 verlief die Korrektur auch flach, was eine Bedingung ist (sie muss das Gegenteil der Korrektur vom Frühjahr 2009 sein, die steil war). Dann (August 2012) begann der Markt impulsiv zu steigen bis Anfangs Oktober 2012. Die anschliessende Korrektur wollte nicht aufhören und im April 2013 brach der Markt mit sehr grossen Volumen ein und erreichte ein Tief im Juni 2013 bei 1180 US$. Dieser Einbruch hat aber immer noch nicht verunmöglicht, dass im Oktober 2008 die 2. Korrektur (die 4. Welle) endete. Die Korrektur wurde einfach steil, setzt sich in Gegensatz zur Korrektur im Frühjahr 2009 und deshalb müssten mindestens gleich drei Impulsbewegungen nach oben erfolgen. Es kam aber abermals nicht so. Der Markt mäanderte mit Auf- und Abs seitwärts um dann nochmals impulsiv tiefer zu fallen. Damit hat sich ein völlig anderes Bild ergeben, weil die Bewegung seit September 2011 eine fünf- Wellen Struktur aufweist. Eine solche Struktur alleine kann keine Korrektur
sein, aber sie kann das Ende oder der Anfang einer solchen sein. Ich sehe jetzt das Gesamtbild wie in Grafik 2 dargestellt.


Grafik 2: Gold mit 2 Bullphasen und 2 Korrekturen.

In dieser Darstellung bleibt sich als erstes die Entwicklung bis 2006 gleich. Aber ab 2006 bis 2014 und ev. bis 2015 ist alles eine Korrektur. Eine Korrektur ist wie der Name schon sagt eine Preisentwicklung gegen den Trend. In diesem Fall läuft die Entwicklung aber in der Richtung des Trendes und zwar massiv. Das Hoch im Mai 2006 war bei 730 $ und das Tief Anfangs November 2014 bei 1132 $. Wenn man diese Differenz von 402 $ vergleicht mit den 480 $, die der Bullmarkt vom Start August 1999 bis zum Ende der zweiten Bullphase im Mai 2006 zurückgelegt hat, so ist das extrem. Der Preis ist mit der Korrektur fast so viel in die Höhe gegangen wie in der gesamten vorangegangenen Bullphase. Das ist extrem und nie dagewesen. Diese Art von Korrektur mit dem Trend ist nicht unbekannt und nennt sich „running correction“. Sie zeigt sehr grosse Stärke des zugrunde liegenden Trendes an. Auch sind mit dieser „running correction“ die bekannten Zeitzyklen mit den Fibonaccizahlen völlig erhalten:

Welle 1 (1999): 1 Jahr.
Welle 2 (1999- 2001): 2 Jahre.
Welle 3: (2001- 2006) 5 Jahre.
Welle 4: (2006 - 2014) 8 Jahre.
Welle 5: ?


Natürlich ist diese „running correction“ durch eine Intervention der Notenbanken im Frühling 2013 zustande gekommen. Ich habe hier einige fundamentale Daten zusammengetragen, die einerseits die Intervention bestätigen, aber ebenso das grosse explosive Potential des Goldpreises. Grafik 3 zeigt den Goldaussenhandel (Saldo und Export, nicht aber Import) von England von 1960 bis 2013. 1965 zog plötzlich der Goldexport (rote Skala) auf über 2'000 Tonnen an, der Saldo wurde massiv negativ. Der Export blieb für 1966 und 67 ebenfalls hoch. Heute wissen wir, was geschehen war: der sog. Goldpool der Notenbanken intervenierte im Goldmarkt, um den Preis des Goldes bei 35$ die Unze halten. Die Nachfrage kam offensichtlich aus dem Ausland, sonst wäre der Export nicht so angestiegen. Im März 1968 schloss der Londoner Goldmarkt für drei Wochen, Zürich machte aber schon nach kurzer Zeit wieder auf und der Preis stieg über 35$. (In die Geschichte ging die Marktöffnung durch die Zürcher Banken ein, weil die Engländer das als eine Aktion der „gnomes of Zurich“ bezeichneten). Wohin genau das Gold floss, ist mir nicht bekannt, weil ich noch keine Zahlen gefunden habe. Nachher normalisieren sich die Kurven wieder ausser 1991: die Statistik weist einen Goldtransfer von 1'900 Tonnen von Belgien nach England aus. Was dahinter ist, entzieht sich meinen Kenntnissen. 2013, dem Jahr mit dem Preiseinbruch, wiederholt sich das Muster der 60er Jahre. Der Export schiesst auf über 1,700 Tonnen von sehr niederen Werten in den Vorjahren und der Saldo wird mit – 1'400 Tonnen so negativ wie noch nie.

Wohin ging das Gold? Diesmal stehen Daten zur Verfügung. Von den 1'700 Tonnen exportiert gingen 1'300 in die Schweiz. (Quelle: Eurostat). Grafik 4 zeigt den Goldexport Englands in die Schweiz seit 1988. Demnach ist 2013 das extremste Jahr in dieser Zeitreihe. Und wohin ging das Gold von der Schweiz? Für 2013 sind nur die Totale für Import und Export bekannt: 3'080 Tonnen für Import und 2'777 Tonnen für den Export. Auch das sind Rekordzahlen (Grafik 5). Für 2014 sind zum ersten mal seit 1980 die Zahlen detailliert bekannt (bis und mit November). Von den 2'000 Tonnen importiert kommen immer noch 600 aus England. Von den 1'612 Tonnen exportiert gehen 457 (28%) nach Indien, 333 (21%) nach Hong Kong, 188 (12%) nach China, 124 (8%) nach Singapur, 63 (4%) in die Türkei und 52 (3%) nach Saudi Arabien.


Grafik 3: UK Goldhandelslaldo und Goldexport.

Grafik 4: UK Goldexporte nach der Schweiz. .

Grafik 5. Goldaussenhandel der Schweiz seit 1967 in Tonnen.

Die Exporte Hong Kongs nach China sind bekannt (Grafik 6). Die exponentielle Zunahme ist auffallend. Aber was nicht bekannt ist, sind die Goldaussenhandeslzahlen Chinas. Wie viel Gold importiert China wirklich? Bekannt sind die Auslieferungen der Goldbörse Shanghai (Grafik 7), die 2014 wieder über 2'000 Tonnen auslieferte. Kauft hier auch die chinesische Notenbank und wie viel? China produziert aber auch 450 Tonnen Gold pro Jahr und etwa 325 Tonnen Einschmelzungen aus Recycling. Der Chairman der Shanghai Goldexchange nannte 1'100 Tonnen als Importe. Koos Jansen von www.bullionstar.com rapportiert am besten zu den Käufen aus China und kennt die Datenquellen. Ebenso zeigt er die Importe Indiens (Grafik 8). Immerhin rapportiert Indien seinen Goldaussenhandel. Rund 750 Tonnen Gold importiert Indien pro Jahr. Indien ist aber ebenso ein grosser Silberimporteur (Grafik 9). Rund 30% der Weltproduktion geht 2014 nach Indien.


Grafik 6: Goldexport Hong Kongs nach China.

Grafik 7: Gold Auslieferungen Goldbörse Shanghai.

Grafik 8: Goldaussenhandel Indiens.

Grafik 9: Silberaussenhandel Indiens.

Wenn man auch die Intervention im Goldmarkt im Frühjahr 2013 nicht im Detail nachweisen kann, so deuten die UK-Exportzahlen eindeutig auf die Aktion der Notenbanken hin. Auch die hohen Volumina an den Futuresmärkten in jenen Tagen deuten darauf hin, dass alle Instrumente benutzt wurden, den Preis zu drücken. Was wurde bewirkt? Eindeutig wurden die Investoren in den westlichen Märkten verunsichert und zu Verkäufen getrieben (Grafik 10). Rund 35 Mio Unzen (ca. 1/3 Jahresproduktion) wurden aus ETFs abgestossen. Wie oben gezeigt, kaufte Asien. Weil die meisten Notenbanken Gold und Goldguthaben (Ausnahme SNB und neuerdings BuBa) in einem Posten rapportieren, weiss man nicht, wie gross die physische Intervention war, ob sie eingedeckt ist, wie sie technisch genau ablief und wer das Preisrisiko trägt. Was man weiss, ist dass die Bank von England Ende Februar 2013 533'000 Barren Gold als Kundengold rapportierte und im Juni in einem Video auf ihrer Webseite nur noch von mindestens 400'000 Barren sprach. Diese 133'000 Barren entsprächen etwa 1'300 Tonnen Gold und das könnte die physische Interventionsmenge gewesen sein. In den ersten 10 Monaten 2014 hat England nochmals eine negative Goldhandeslbilanz von 127 Tonnen. Vielleicht besteht eine Short-Position der Notenbanken, aber das ist sehr schwierig nachweisbar Und noch viel schwieriger Quantifizierbar. Aber sie wäre ein weiterer Treibsatz in der kommenden Goldrakete.


Grafik 10: Mio Unzen Gold in ETFs und Lagestätten.

Das grosse Bild für Gold.
Grafik 11 zeigt Gold seit 1800 in US$. Auffallend an den Bull- und Bearphasen ist, dass deren Länge mit einer Ausnahme (1869 - 1879) stets Fibonaccizahlen sind oder nur sehr wenig abweichen von diesen. Im Januar 1879 wurde der US$ wieder an Gold gebunden mit dem fixen Preis von US$ 22,5 pro Unze. Diese Fixierung hielt genau 55 Jahre, um 1934 neu bei 35$ fixiert zu werden. Ab 1961 schlossen sich die westlichen Notenbanken zum Londoner Goldpool zusammen und versuchten, den Goldpreis bei 35 $ zu halten (siehe oben). Im März 1968 (nach 34 Jahren) setzte sich der Markt durch und der Bullmarkt startet bis Januar 1980 für genau 142 Monate (144 ist die exakte Fibonaccizahl). Die nächste Bear-Phase war wiederum im Monatsrythmus bis August 1999. Wie lange könnte nun die derzeit laufende Bullphase dauern? Auf der Grafik unten habe ich rechts Projektionen ab 1999 und ab 2001 notiert. Dabei ist 2014 das äusserste mögliche Jahr für den aktuellen Zeitraum. Die nächsten Daten sind erst 2020 und 2022. Zusätzlich gibt es noch die Möglichkeit für eine Länge von 233 Monaten (18,4 Jahre oder 2018,4). Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Zeitphasen ab 1968 mit Jahreszahlen durchzurechnen, so als wären die Phasen stets Jahreszahlen gewesen:

1968 + 13 = 1981
1981 + 21 = 2002
2002 + 13 = 2015


Der Zeitzyklus würde dann einfach wieder in den Jahresrhythmus fallen. Warum diese Schnelligkeit? Fünfte Wellen in Commodities sind einfach berühmt dafür, sehr explosiv zu sein. So war es 1869 und 1976- 1980. Nur diesmal ist das eine letzte Aufwärtsbewegung seit 1999 wie auch eine letzte der Phase von 1934, also noch eine Stufe weiter in der Entwicklung des sehr langfristigen Bullmarktes .
Liquidität ist wirklich genug da wie Grafik 12 zeigt. Seit 2008 sind die monetären Basen in Milliarden US$ von 3'000 auf 7'500 gestiegen und eine Jahresproduktion Gold ist etwa 100 Milliarden US$ (Silber weniger als 20 Milliarden). Auch sind die Wachstumsraten dieser drei monetären Basen (Grafik 13) gegenwärtig noch nicht exzessiv am Wachsen, mit Ausnahme Japans, das die
höchsten Staatsschulden aufweist. Die tiefen Wachstumsraten bedeuten nichts anderes, als dass die nächste Phase hohe sein werden. Nur wird dann die Neuund auch die Altliquidität nicht mehr in die Anleihen fliessen. Aber wohin denn sonst?
Werden aufsteigende Keils in Rohwaren (eine an sich bearische Formation) nach oben verlassen, wird es erfahrungsgemäss explosiv. So ein Keil liegt vor mit der oberen Trendlinie (Grafik 11) beginnend bei 1869, die schon drei mal berührt wurde. Die zweite wichtige Formation ist der aufsteigende Kanal seit 1934. Um die obere Trendlinie zu erreichen, muss der Goldpreis etwas unter 10'000 $US erreichen. Das ist nicht unrealistisch in einer explosiven Phase. Und dann ist erst mal die Phase seit 1934 abgeschlossen, aber schaut man die Entwicklung des Goldpreises von 1835 an, so fehlen dann immer noch die IV und V. Wenn es jetzt schon wild werden soll, wie wird es dann wenn es Richtung V geht?

Grafik 11: Gold seit 1800 in US$.

Grafik 12: Monetäre Basen von Fed, EZB und BoJ in Milliarden US$.

Grafik 13: Wachstumsraten der drei grossen monetären Basen (Fed, EZB, BoJ).

Gold kurzfristig in US$.
Für die kurzfristige Beurteilung ist mit dem Schlusskurs vom Freitag den 16. Januar 2015 ein eindeutiger Ausbruch aus dem Dreieck (siehe unten) erfolgt und dies bei festem US$. Hochwahrscheinlich ist damit die Korrektur zu Ende.

Die aktuelle wirtschaftliche und Finanzmarktsituation in historischer Perspektive.
Der Kreditzyklus. Um die heutige ökonomische Situation – in einer Zeit mit völligem Informationsüberfluss – zu verstehen, braucht man ein einfaches, aber trotzdem authentisches Modell oder eine Betrachtung der wirklich relevanten Grössen. Eine der wichtigsten Grössen ist Kredit (positive Wahrnehmung) oder Schulden (negative Wahrnehmung), aber es wird nicht gelehrt in der offiziellen Lehre. So kommen die Wörter Schulden (debt) und Kredit (credit) im 860-Seiten Buch „A Monetary History of the United States „ (1963) des Nobelpresiträgers für Ökonomie Milton Friedman im 40-seitigen Index überhaupt nicht vor. Dasselbe gilt für das Buch „Der Schweizer Franken, eine Erfolgsgeschichte“ (2012) von Prof. Ernst Baltensberger, Doktorvater des derzeit in den Medien stehenden Präsidenten der SNB Thomas Jordan. Baltensberger war auch tätig am Studienzentrum Gerzensee zur Ausbildung zukünftiger Zentralbänker. Aber ebenso fand ich das im Lehrbuch „Economics“ das an der Hochschule St. Gallen verwendet wird. Das Buch ist natürlich auf Englisch, denn alles Gescheite im Finanzbereich kommt heute aus der Anglosachsenwelt. Der Index des 830 Seiten Wälzers enthält zwar den Begriff „bank run“, aber „debt“ und „credit“ gibt es nicht. Unter credit ist nur gerade der Begriff „credit cards“ zu finden. (Studenten haben heute Kreditkarten). Darum ist es nicht möglich, eine Hochschule im Bereich Volkswirtschaft zu durchlaufen und zu verstehen, was heute abgeht.

© Rolf Nef
Manager Tell Gold & Silber Fonds, www.tellgold.li

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