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Philharmoniker Depot

19.12.13 100 Jahre Fed

Verdient das große wirtschaftspolitische „Experiment“ der US-Notenbank ein weiteres Jahrhundert? Das Federal Reserve System wurde vor 100 Jahren am 23. Dezember ins Leben gerufen, schreibt Miguel Perez-Santalla von BullionVault.

Ziel in 1913 war es, eine Aufsichtsbehörde zu gründen, um Finanzkrisen und Bankzusammenbrüchen in den Vereinigten Staaten entgegenzuwirken. Ihre Befürworter, Senator Nelson Aldrich, Senator Owens, Kongressabgeordneter Glass und weitere waren der Meinung, dass wenn Geldfluss und Banken von einer Behörde kontrolliert werden würden, diese viele der wirtschaftliche Einbrüche, von denen die USA vor allem Ende des 19. Jahrhunderts heimgesucht wurden, vermeiden könnte.

Hat die US-Notenbank - abgesehen von den Fehlern rund ein Jahrhundert später - zumindest den Inhalt ihrer Charta erfüllt?

Die Einrichtung einer solch zentralen Macht war keineswegs unumstritten. Viele in der Regierung waren dagegen, wie man in G. Edward Griffins Buch The Creature from Jekyll Island nachlesen kann. Der Name selbst – Federal Reserve [engl. reserve: Reserve, Rücklage] – sollte unter anderem bereits einige Bedenken ausräumen. In Washington vermied man es, von einer „Zentralbank“ zu sprechen, da im Kongress auch viele die Idee einer Zentralisierung der Macht ablehnten, vor allem die der geldpolitischen Kontrolle durch eine einzige Regierungsbehörde. Von daher mussten diejenigen, die dem Konzept einer Zentralbank zustimmten, eine Methode ersinnen, mit der zwar in ähnlicher Weise gesteuert werden konnte, durch die jedoch der Anschein einer direkten Kontrolle vermieden wurde. Diese Idee führte zu der Geburtsstunde der Federal Reserve.

Zu dieser Einrichtung, die das Erscheinungsbild einer Zentralbank verschleiern sollte, gehören landesweit zwölf regionale Notenbanken, die der höheren Behörde innerhalb des Systems unterstehen und dieser Bericht erstatten. Diese höhere Behörde besteht aus dem neunköpfigen Vorstand, von denen sechs direkt von den zwölf regionalen Distrikt-Notenbanken und die restlichen drei von dem sogenanntenBoard of Governors ernannt werden.

Zweifellos handelt es sich hierbei um eine Zentralisierung der Macht. Und es ist offensichtlich, dass es sich bei dem Board of Governors um das kontrollierende Segment der US-Notenbank handelt. Wie stellt sich dieses zusammen? Der Vorstand umfasst sieben Mitglieder, die vom amerikanischen Präsidenten ernannt und durch den Senat bestätigt werden müssen. Jedes einzelne Mitglied kann diese Stelle für maximal 14 Jahre innehaben (wobei die Amtszeit alle zwei Jahre verlängert wird). Der amerikanische Präsident wählt aus diesem Vorstand auch den Präsidenten der Fed und seinen Stellvertreter, die letztendlich über die eigentliche Entscheidungsgewalt verfügen.

Voilà! Und schon haben wir eine Zentralbank, auch wenn erst vor kurzem von der Regierung offen zugegeben wurde, dass es sich bei der Federal Reserve um die „Zentralbank“ der Vereinigten Staaten von Amerika handelt. Diese Agentur kontrolliert buchstäblich das gesamte Bankensystem. Sie besitzt die Möglichkeit, den Geldhahn auf- und zuzudrehen, durch den das Geld des kompletten Bankennetzwerks fließt.

Ist solche eine Kontrolle etwas Gutes oder Schlechtes? Bisher wurden die Vorteile des Federal Reserve Systems noch nicht bewiesen. Denn wenn man einen Blick auf die amerikanische Wirtschaftsgeschichte der letzten 100 Jahre wirft, so ergibt sich ein Bild, das Tony Soprano sicherlich als „nicht schön“ bezeichnen würde.

Seit der Gründung der Federal Reserve vor 100 Jahren durchlebten die Amerikaner in 38% der Zeit einen Abschwung oder eine ausgedehnte Konjunkturverlangsamung. Manch einer mag vielleicht sagen, dass dies eine gute Bilanz sei. Allerdings verzeichneten die USA in fast der Hälfte dieser Zeit ein negatives Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.

Dank Isaac Newton wird davon ausgegangen, dass alles, was nach oben fliegt, irgendwann auch wieder herunterkommen muss. Nachdem die Bevölkerung wächst, müsste die Wirtschaft eigentlich ebenfalls wachsen, da die neu hinzugekommenen Menschen ebenfalls essen müssen – genauso wie produzieren. Warum sollten sie dermaßen häufig an einem wirtschaftlichen Niedergang leiden?Habgier und Dummheit sind oftmals die eigentlichen Ursachen für die meisten Krisen. Diese beiden Eigenschaften kommen nicht nur im Privatsektor vor.

Washington Mutual sorgte für die größte Bankenpleite, die jemals in den USA verzeichnet wurde. Das Finanzunternehmen brach im Jahr 2008 zusammen und riss ein Vermögen von mehr als 300 Milliarden US-Dollar mit sich in die Tiefe. Dies entsprach damals etwas über 2% des jährlichen Bruttoinlandsprodukts. Dieser und weitere extreme Ausfälle, wie der von Lehman Brothers, trugen dazu bei, dass das Land in eine tiefe Rezession stürzte, aus der wir immer noch nicht heraus sind. Was war mit der Fed, bevor dies alles geschah? Die Fed erntete viel Lob dafür, wie sie das Bankensystem nach diesem Desaster rettete. Aber warum sahen es die Verantwortlichen nicht bereits im Vorfeld kommen? Wenn es ihre Aufgabe ist, während und nach einer Krise den Schaden wieder zu beheben, gehört es dann nicht ebenfalls zu ihren Aufgaben, bereits im Vorfeld zu vermeiden, dass es überhaupt zu solch einer Katastrophe kommt?

Dieses wirtschaftspolitische Experiment namens Zentralbank spielt nun auch ein Spiel, das zuvor noch nie vorkam. Und das Board of Governors ist sich dessen bewusst. Die ungezügelte Schaffung von Zahlen, die Geld repräsentieren, steht für einen neuen Versuch der wirtschaftlichen Manipulation, der noch niemals zuvor unternommen wurde. Nicht wenige denken, dass die quantitative Lockerung ihre Wirkung zeigt. Wieder andere, wie beispielsweise Jim Rogers, sind hingegen der Ansicht, dass dieses künstliche Wachstum um uns herum zum Einsturz verurteilt ist.

Am 23. Dezember wird das Federal Reserve System 100 Jahre alt. Aber es handelt sich immer noch um ein Experiment. Eine kontrafaktische Geschichte, bei der aufgrund der Faktenlage von Ereignissen in der Vergangenheit ein Erkenntnisgewinn über Kontinuitäten erlangt werden soll, kann bei einem solchen Zeitraum noch nicht erstellt werden. Von daher gibt es keinerlei gesicherte Beweise dafür, dass die Existenz der Fed eine positivere Auswirkung auf die Wirtschaft hatte als es alternative Lösungen gehabt hätten. Tatsache ist, dass hingegen zahlreiche Menschen, wie beispielsweise die Vertreter des Cato Institutes, die Schuld in der Politik der US-Notenbank sowie der Deregulierung der Banken durch die Regierung, für welche die Fed oft beratend hinzugezogen wurde, sehen. Ganz im Gegensatz zu der Charta der Fed, hat dies nicht nur einen Einfluss auf Millionen von Menschen in den USA, sondern verursachte zudem einen Dominoeffekt auf der ganzen Welt.

Aber indem die Fed und deren Macht als Status Quo hingenommen werden, stellt sich für den Einzelnen nun jedoch die Frage, inwieweit dieses System unsere Investitionen und Einkommen in Zukunft beeinflussen wird. In einer Welt, in der das Geld von einer zentralen Einrichtung kontrolliert wird, die mit der ultimativen Macht ausgestattet ist, jenes in unbegrenztem Umfang herzustellen und dadurch dessen Wert zu vernichten, möchte so manch einer wohl lieber in reale Vermögenswerte wie Hard Assets investieren, die außerhalb des Einflussbereichs der Fed liegen. Der diesjährige Preissturz von Gold und Silber macht die Tatsache nicht zunichte, dass dieses Edelmetall seit Jahrtausenden erfolgreich als Wertaufbewahrungsmittel fungiert und somit weitaus länger als die Fiat-Währung der US-Notenbank - der US-Dollar - existiert.

Auf Grundlage der historischen Daten kann man davon ausgehen, dass es innerhalb der nächsten zehn Jahre wohl zu einer weiteren Wirtschaftskrise kommen wird. Und trotz der ursprünglichen Bestrebungen und besten Absichten der US-Notenbank vor 100 Jahren, müssen sich viele von uns wohl darauf einstellen, eine erneute Rezession durchmachen zu müssen.

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: Gold.Bullionvault.de

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