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13.12.13 Zur aktuellen Kritik an den deutschen Leistungsbilanzüberschüssen

von Michael Vaupel ...Hört, hört. Das US-Finanzministerium kritisiert die "exzessiven Leistungsbilanzüberschüsse" Deutschlands. Deutschland "müsse" die Exportabhängigkeit seiner Wirtschaft verringern.

Hier ein Überblick, wie sich die deutsche Leistungsbilanz zusammensetzt (Quelle: Bundesbank):

Leistungsbilanz Deutschland

Entscheidend für den deutschen Leistungsbilanz-Überschuss ist das hohe deutsche Plus im Außenhandel

Der US-Volkswirt Paul Krugman spricht sogar vom Schaden, den Deutschland mit seinen Überschüssen anrichtet ("The Harm Germany Does"). Deutsche Kritik an den US-Vorwürfen nannte er in seinem Beitrag "bizarr".

Am amerikanischen Wesen soll die Welt genesen? Ich bin froh, dass wir kein Leistungsbilanzdefizit aufgrund exzessiven Konsums haben. Für mich ist die amerikanische Konsumgesellschaft bestimmt kein Vorbild: Dinge, die man nicht braucht, kaufen mit Geld, das man nicht hat, um Menschen zu beeindrucken, die einem egal sind...

Immerhin, das ist das Schöne an einer demokratisch-pluralistischen Gesellschaft wie den USA: Es gibt nicht "die Amerikaner", welche in diesem Fall alle wahlweise böse oder geistesschwach sind. Es gibt auch Stimmen der Vernunft. So fand ich im "Wall Street Journal" zu dieser Debatte eine mit Fakten begründete Verteidigung der deutschen Position, und das auch noch auf Seite 1 beginnend.

Dort wird betont, dass die deutschen Überschüsse in der Leistungsbilanz in erster Linie den deutschen Überschüssen in der Handelsbilanz zu verdanken sind. Im September war es alleine das deutsche Plus, welche die EU-Leistungsbilanz in die Pluszone brachte.

Dieser Überschuss ist der Lohn für vorausschauende Planung

Das "Wall Street Journal" betont zu Recht, dass der deutsche Überschuss der Lohn für jahrzehntelange, emsige Arbeit bei der Erschließung von Exportmärkten für die deutsche Wirtschaft sei. Insbesondere den deutschen Außenhandelskammern (AHK) kommt eine wichtige Rolle bei diesem Erfolg zu. 120 Büros in 80 Staaten, 1.700 Mitarbeiter, jahrzehntelanger Aufbau von Kontakten - das fördere die deutschen wirtschaftlichen Interessen im Ausland.

Das "Wall Street Journal" nannte ein konkretes Beispiel, den deutschen Mittelständler Flösser GmbH. Ein kleiner Anbieter von Automobilzubehör. Wie soll der einen Markt wie Vietnam für sich erschließen?

Mit Hilfe der entsprechenden AHK. Diese organisierte vor Ort für einen Firmenabgesandten Wagen und Fahrer sowie Überetzer und Kontakt zu möglichen Abnehmern. Gegen eine moderate Gebühr wurde auch eine Marktstudie erstellt, und die Flösser GmbH fand in der Tat Aufträge. Laut dem Unternehmen konnten mit dem Erlös der ersten Lieferung auch umgehend die moderaten Gebühren der AHK für diese Dienstleistungen beglichen werden.

Das "Wall Street Journal" zeigt offen seine Anerkennung für diese effiziente deutsche Förderung seiner Exporte. An die 50.000 deutsche Geschäftsleute sollen so jährlich Unterstützung erhalten. Und ja, es geht auch und insbesondere um den deutschen Mittelstand, unser Rückgrat. Kein anderes westliches Land tut so viel für den Export seines Mittelstandes.

Und das soll uns zum Vorwurf gemacht werden? Das nenne ich "bizarr".

Mit herzlichem Gruß!

Ihr

Michael Vaupel

Diplom-Volkswirt / M.A.

Chefredakteur "Investoren Wissen"

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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