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Philharmoniker Depot

05.12.14 Eurokrise – Mario Draghi verschiebt QE auf das Jahr 2015

So, gestern war es so weit. Mario Draghi und das geldpolitische Entscheidungsgremium, der EZB-Rat, kamen im neuen EZB-Gebäude in Frankfurt am Main zu letzten Sitzung im Jahr 2014 zusammen.

Verzweifelte Maßnahmen gegen die Krise in 2015?

Und allem Anschein nach wird Mario Draghi und die Mehrheit im EZB-Rat aus schierer Verzweiflung ob der miserablen realwirtschaftlichen Lage in Europa und der Furcht vor einer deflationären Abwärtsspirale im Verlauf des ersten Halbjahres des kommenden Krisenjahres 2015 das letzte geldpolitische Tabu brechen. Sprich, die EZB wird aller Wahrscheinlichkeit nach dann auch im großen Stile Euro-Staatsanleihen aufkaufen. Mario Draghi sagte gestern bei der Pressekonferenz, dass die EZB Anfang 2015 ihre geldpolitischen Maßnahmen überprüfen und bei Bedarf „Umfang und Tempo“ ändern werde. Wörtlich sagte er:

"Wir haben alle Arten von Maßnahmen lang und breit diskutiert."

Tiefer Graben in der EZB

Höchst beachtlich war gestern auch, dass selbst Draghi eingestehen musste, dass es einen tiefen Riss innerhalb des Direktoriums bzw. des Rats der EZB geben würde. Der Italiener sagte, dass es mit Blick auf diese Maßnahmen keiner Einstimmigkeit im geldpolitischen Entscheidungsgremium bedürfen würde. Gestern berichtete auch die Tagesezeitung „Welt“ von einem Zerwürfnis im EZB-Direktorium, das ja sechs Mitglieder umfasst. Bei der Abstimmung über die offizielle Stellungnahme des EZB-Rates zur geldpolitischen Lage hätten laut "Welt" gleich drei Direktoren gegen die vom Präsidenten unterstützte Vorlage gestimmt. Draghi räumte Reuters zufolge ein, dass die Entscheidung nicht einstimmig gefallen sei, doch nannte er keine Namen. Dem Italiener scheint dennoch eine breite Mehrheit im 24-köpfigen EZB-Rat sicher, falls es nächstes Jahr zur Abstimmung über Staatsanleihenkäufe kommen sollte.

Alarmsignale von den EZB-Ökonomen

Letztlich wird die Mehrheit aber Anfang 2015 für den Ankauf von Staatsanleihen votieren. Rückenwind bekam Draghi und co. insofern ganz klar von abermals schwach ausgefallenen Prognosen zur Inflation und Konjunktur der Ökonomen der EZB. Das Inflationsziel von knapp zwei Prozent werde wohl auf Jahre hinaus deutlich verfehlt. 2015 solle die Teuerung bei 0,7 Prozent liegen und 2016 nur auf 1,3 Prozent steigen. Auch die Wirtschaftsleistung werde laut EZB-Ökonomen nächstes Jahr nur um ein Prozent zulegen.

Also, im ersten Halbjahr 2015 wird die EZB zum „QE“ übergehen. Die Falken im EZB-Rat, allen voran aus Deutschland, werden es zähneknirschend erdulden müssen. Am Ende bleibt hier schlicht die Hoffnung, dass die Gerichte dem Treiben der Mehrheit im EZB-Rat vielleicht ein Ende bereiten werden. Vielleicht....

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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