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29.11.13 Stag-Nation

Wenig Bewegung bei Gold und Dow Jones. Wo gibt es Bewegung? Bei meinem Freund Hugh Hendry. Er geht entweder nach oben oder nach unten. Stillstand gibt es bei Hugh nicht.

Hugh - der den Hedgefonds Eclectica Asset Management in London leitet - war lange Zeit der größte Bär. Aber jetzt ist er der größte Bulle. Eclectica verliert Geld. Widerwillig hat Hugh auf dramatische Weise kapituliert.

Er sprach auf der Harrington Cooper Investment-Konferenz, und sagte dies:

"Ich war drauf vorbereitet, eine Underperformance zu erleiden, um dann Spaß zu haben, wenn sich meine Einschätzung dann doch als richtig erweisen wird, wenn die Märkte einbrechen. Aber das könnte noch 3,5 Jahre auf sich warten lassen."

"Ich kann nicht mehr in den Spiegel schauen; alles, an das ich glaubte, musste ich ablegen. Diese Umgebung macht nur Sinn, wenn man sich das Prisma der Trends anschaut."

Tut er uns allen einen Gefallen? Ist er der "Letzte, der das Handtuch hinwirft"...der letzte auf seinem Posten...ein klares Signal, dass das Ende des Bullenmarktes der US-Aktien gekommen ist?

Vielleicht...

Hugh sagt, dass er sich nicht mehr im Spiegel anschauen kann. Er kann auch nicht einen großen Bullenmarkt aussitzen. Ich habe mir eine alte Debatte zwischen Hugh und einem anderen Freund, Liam Halligan, aus dem Jahr 2009 angesehenen, das lief bei CNBC. Liam schreibt eine Kolumne über die Märkte und die Wirtschaft in der britischen Zeitung "The Telegraph".

Der Stil von Hugh beinhaltet Beleidigungen und eine herablassende Haltung. Sehr unterhaltsam.

Liam hingegen scheint im Kontrast dazu vernünftig zu sein. Mit guten Absichten. Aber kein Gegner für Hendry. Das Thema waren die Auswirkungen von QE.

Liam sagte, dass dies zu Inflation führen würde.

Hugh sagte, dass es nicht funktionieren wird...dass es zu überhaupt keiner Inflation führen würde, sondern zu niedrigeren Preisen.

Bis auf die Preise von Vermögensanlagen.

"Kaufen Sie Anleihen!" sagte Hugh.

"Verkaufen Sie Anleihen!" sagte Liam.

Wer wird Recht haben? Wer weiß?

Wahrscheinlich haben beide Recht. Zunächst Hugh. Dann Liam. Oder wie ich es vor Jahren auszudrücken pflegte: Wir werden Tokio haben...dann Buenos Aires.

Der Tokio-Effekt

Ein australischer Kollege - Vern Gowdie - besucht mich gerade in Baltimore. Ich hatte fast dasselbe Gespräch mit ihm wie Hugh mit Liam. Es ist wahrscheinlich auch für Sie interessant, denn es geht um wichtige finanzielle Entscheidungen.

"Es sieht so aus, als ob wir lange in Tokio bleiben könnten", so das Fazit von Vern.

Tokio bedeutet an-aus-an-aus, in Bezug auf Deflation - für 23 Jahre. Die haben alles versucht, QE, ZIRP. Was hat das alles gebracht?

Eine "Stag-Nation". Die haben versucht, die Inflation zu erhöhen - ohne Erfolg. Stattdessen haben die Zombie-Banken das Geld behalten und nicht verliehen. Wenige neue Unternehmen wurden gegründet. Die Leute werden älter und geben weniger aus. Die Geburtenquote sinkt - und die gesamte Nation wurstelt sich weiter durch.

Ich prognostiziere dasselbe für die USA. Aber ich dachte, dass dies schneller so kommen würde.

Ich dachte, dass es sieben Jahre "Entschulden" geben würde. Wir sind bereits im sechsten Jahr. Wird das nächstes Jahr enden? Sieht nicht so aus. Die Schuldenstände sind jetzt noch höher - wenn man die Staatsverschuldung mitberücksichtigt.

Und da QE nicht direkt zu Inflation führt, könnte das noch weitere Jahre so weitergehen - wie in Japan -, ohne reales Ergebnis. Außer, dass es eine Spekulationsblase bei Aktien und Anleihen gibt.

Funktioniert QE?

Hugh meint: "QE funktikoniert nicht. Und es wird auch in der Zukunft nicht funktionieren. Und es wird zu keiner Inflation führen."

Warum funktioniert es nicht? Weil die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes eingebrochen ist. Die Fed kauft Anleihen mit selbst gedrucktem Geld...und die Umlaufgeschwindigkeit des für die Banken geschaffenen Geldes sinkt dramatisch.

Deshalb könnte Hugh noch jahrelang glücklich mit seinen Staatsanleihen sein.

Aber nicht für immer...

Am Ende wird es sich als desaströs erweisen, sich zu verschulden und als Gegenleistung den zukünftigen Output einer schwächelnden Wirtschaft zu verpfänden. Das wird letztlich nach Buenos Aires führen.

Dann wird die Regierung "QE Plus" starten: Eine Strategie, welche dazu da ist, den Bankensektor zu umgehen und mehr Geld in mehr Hände zu bringen - schneller.

Das wird passieren. Aber es könnte noch Jahre dauern.

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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