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28.11.13 Amerikas neuer Wachstumsmarkt: Armut

"Mach dir nicht die Mühe, diese Woche in die USA zu kommen", schrieb ich vor einigen Tagen einem Kollegen in Großbritannien. "Am Dienstag beginnt Hanukkah. Dann ist Thanksgiving am Donnerstag. Dann geht jeder einkaufen. Diese Woche wird aus Business-Gesichtspunkten ein totaler Verlust sein."
Aber dies ist eine große Woche für den Einzelhandel. Es ist der Beginn der Feriensaison. Die Amerikaner werden "shop until they drop", wie es hier heißt. Oder bis ihnen das Geld ausgeht. Was immer zuerst der Fall sein wird.

Wie hat es bis jetzt gestartet? Bloomberg dazu:

"Die Weihnachts-Geschäfts-Saison hat offiziell noch nicht begonnen, aber es herrscht bereits Pessimismus vor: Einige Experten haben prognostiziert, dass der Zuwachs der Umsätze dieses Jahr so schlecht wie seit 2009 nicht mehr sein wird, dem Jahr, als die Rezession offiziell endete. Die größeren Einzelhändler wie Walmart und Best Buy warnen ihre Investoren, dass das laufende Quartal soft sein wird...."

Howard Davidowitz, langjähriger Einzelhandels-Analyst und Chairman bei Davidowitz & Associates, sagt, dass der Einzelhandelssektor schlecht aussieht.

Aber nicht alle Konsumenten haben Probleme - laut Davidowitz werden diese Woche die Top 10% Verdiener fleißig Dinge einkaufen. Luxus-Einzelhändler wie Tiffany und Michael Kors werden zwei der großen Gewinner dieser Saison sein.

"Wenn ich oben bin, bin ich glücklich. Am oberen Ende wird es großartig werden."

Oberes Ende? Unteres Ende? Was ist der Unterschied? Oben kann man mehr Dinge kaufen. Aber das bedeutet nicht, dass man glücklicher ist, wie Davidowitz meint.

Erinnern Sie sich: Geld an sich ist wertlos. Alles, was über dem Mininium liegt, was man benötigt, um am Leben zu bleiben, ist "positional". Das sagt einem nur, wo man verglichen mit anderen steht. Mehr Geld bedeutet, dass man sich mehr Dinge als andere Leute leisten kann.

Rangabzeichen eines Offiziers in der Armee der Konsumenten

"Und man kann sich teurere Dinge leisten", fügt meine Ehefrau Elizabeth hinzu. "Jetzt werden Pullover für 2.000 Dollar verkauft. Und Handtaschen für Frauen kosten bis zu 10.000 Dollar."

"Positionale Güter", wie eine Rolex oder eine Patek Philippe Uhr sind jetzt wie die Rangabzeichen eines Offiziers in der Armee der Konsumenten.

Der Pullover für 2.000 Dollar hält einen nicht wärmer, aber er befördert einen zum General, und man ist kein normaler Soldat mehr in der Armee der Konsumenten.

"Ich lebe in Aspen, Colorado", sagte ein befreundeter Psychologe. "Nur reiche Leute dort. Aber raten Sie einmal, was mit denen los ist? Die sind unglücklich."

"Die Frauen sehen alle merkwürdig gleich aus - wie eine Form von Roboter-Frauen - weil sie alle dieselben Schönheits-Operationen hinter sich haben. Die Männer sind alle so mit ihren Karrieren beschäftigt - Geld verdienen -, dass ich die nur an Wochenenden und Feiertagen sehe. Die meisten sind zum zweiten oder dritten Mal verheiratet. Und die Kinder sind durcheinander."

"Diese Leute haben alles, was man sich wünschen kann. Großzügige Häuser. Privatjets. Die neuesten Dinger. Die neueste Mode. Aber das scheint alles nur im Weg zu sein."

"Ein Kind, das ich kenne, sah seine Mutter nur, wenn er von der Schule nach Hause kam. Die Eltern hatten ein Aupair-Mädchen, welches ihn morgen anzog und in die Schule brachte. Dann holte ihn jemand von der Schule ab, dann konnte er seine Mutter sehen, aber nur für ein paar Minuten, weil auch sie eine geschäftige Vorstandsfrau ist. Und dann rufen sie mich an, weil das Kind Probleme hat..."

"Ich sage dann nur, nun, klar!"

"Die Selbstmordrate in Aspen liegt beim Vierfachen des nationalen Durchschnitts. Stellen Sie sich das vor. Jeder will reich werden. Dann ziehen die nach Aspen und da fühlen sie sich so miserabel, dass sie sich das Gehirn wegpusten wollen."

Kluges Geld. Dummes Geld. Reich. Arm. Jeder kauft sich Dinge, die er nicht braucht...oft mit Geld, das er nicht hat. Und denkt, dass ihn das glücklich machen wird.

Dann füttert eine Illusion die nächste. Die Fed und die Regierung sehen höhere Einzelhandelsumsätze...sie sehen, dass Pakete verschickt werden...die Kreditkarten fliegen durch die Geräte...und die Autos werden wieder in den Eingängen von Shoppingmalls aufgestellt.

"Hey", sagen sie uns. "Das ist eine Konsumentenwirtschaft. Die Leute konsumieren. Das BIP wächst. Das wird die Leute glücklich machen."

Die Ökonomen sind wie die Menschen an einem Thanksgiving-Tisch:

"Bitteschön! Nehmt noch ein Stück vom Kuchen. Man kann doch noch ein Stück essen. Und schön Schlagsahne drauf."

"Dankeschön. Genau das brauchte ich."

Nur weil man es kann, bedeutet das nicht, dass man es sollte.

Nicht, dass ich etwas gegen Konsumismus habe. Der ist genausogut wie jede andere Form des "ismus", was mich betrifft. Aber sind die Leute wirklich glücklicher, wenn sie Geld ausgeben? Sind sie glücklicher, wenn das BIP steigt? Sind sie glücklicher, wenn sie mehr Dinge haben?

Antwort: Nicht notwendigerweise.

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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