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09.12.14 Eurokrise – Jens Weidmann gegen deutsches Konjunkturprogramm

Ab und an wird ja immer noch der Ruf nach einem deutschen Konjunkturprogramm laut. Die Deutschen sollen gefälligst ein Programm zur Stützung der Konjunktur auflegen, um damit die maladen Krisenstaaten im Süden Europas wirtschaftlich in Schwung zu bringen. So jedenfalls die Hoffnung.

Weidmann gegen Konjunkturprogramm

Bundesbankpräsident Weidmann spricht sich derweil klar gegen solche Forderungen aus. Erst jüngst war dies wieder der Fall. Herr Weidmann opponierte auf einer Konferenz der Süddeutschen Zeitung in Berlin klar gegen derartige Begehrlichkeiten. Aus wirtschaftlicher Sicht mache ein Konjunkturprogramm für Deutschland keinen Sinn, so das Fazit von Jens Weidmann. Auch seien bei solchen öffentlichen Ausgaben die Ausstrahleffekte auf andere Länder des Euroraums sehr gering. Andere Staaten der Europäischen Währungsunion, beispielsweise Griechenland, würden daher von einem solchen Programm in Deutschland – anders als von vielen erhofft – kaum profitieren. Vielmehr seien innovative Produkte und gut ausgebildete Arbeitskräfte die "Triebfedern des Wachstums", erklärte Weidmann.

Europäischer Binnenmarkt für Dienstleistungen birgt Chancen

Indes sieht Herr Weidmann Wachstumschancen für den Euroraum in der Vollendung des europäischen Binnenmarktes für Dienstleistungen sowie im Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP, welches eine Freihandelszone zwischen der Europäischen Union, den Vereinigten Staaten und weiteren Ländern vorsieht. So verspreche etwa ein gemeinsamer digitaler europäischer Binnenmarkt ein Wachstumsplus von bis zu 4 %. Allein in Deutschland könnten damit im Zeitraum 2015 bis 2020 bis zu 420.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Dazu müssten sowohl rechtliche Aspekte wie der Schutz von Privatsphäre als auch elektronische Verträge vereinheitlicht werden, denn noch bestehe die Europäische Union aus 28 digitalen Einzelmärkten.

Geldpolitische Zurückhaltung geboten

Mit Blick auf die Rolle der Geldpolitik äußerte sich der Bundesbankpräsident sehr zurückhaltend. Die Zentralbanken könnten das Wachstumspotenzial hingegen nicht dauerhaft anheben. Wortwörtlich fügte er hinzu:

„Die Zentralbanken besitzen keine Wunderlampe, an der man nur reiben muss, um alle Wünsche erfüllt zu bekommen."

Es sei eine Illusion zu glauben, dass man mit den Mitteln der Geldpolitik das Wachstumspotenzial einer Volkswirtschaft dauerhaft anheben oder nachhaltig Arbeitsplätze schaffen könne, so Weidmann.

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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