.

Dowjones Nasdaq CAC DAX

Philharmoniker Depot

27.12.12 Bodenbildung in der europäischen Wirtschaft erreicht?

von Sven Weisenhaus ...nach einem Ausflug in die Analyse der japanischen Wirtschaft und ihrer Währung kann ich nun zu den europäischen Konjunkturdaten kommen. Als ich die US-Daten und ihre Wirkung auf den EUR/USD-Wechselkurs analysiert hatte (siehe u. a. "Wer kann punkten - Euro oder US-Dollar?"), wollte ich auch die Entwicklung der europäischen Wirtschaft als Gegenpol betrachten.

Bodenbildung in der europäischen Wirtschaft erreicht?

Bei der letzten Betrachtung einiger europäischer Daten am 14. November ging ich davon aus, "dass der Boden in Europa bald erreicht sein könnte." Wenn dem so ist, dann müsste sich eine Verbesserung in den aktuellen Daten ablesen lassen oder zumindest keine Verschlechterung mehr.

Genau wie bei der Liste der Daten zur Analyse der US-Konjunktur hatte ich auch für Europa eine Liste der Daten zusammengetragen, die Ihnen einen guten Überblick über die Entwicklung der Wirtschaft ermöglicht. Allerdings hatte ich Ihnen diese für Europa zuletzt am 12. Oktober präsentiert.


Grundlegende Daten

Damals sahen die "grundlegenden" Daten noch wie folgt aus:

· Bruttoinlandsprodukt (BIP) im 2. Quartal 2012: - 0,2 % zum Vorquartal

· Staatshaushalt (Verschuldung)

· Leitzins der EZB: 0,75 %

Der Leitzins ist bis heute unverändert geblieben, liegt also weiterhin bei 0,75%.

Zur Staatsverschuldung hatte ich damals noch gar keine Angaben gemacht. Sie lag im 2. Quartal 2012 für die Eurozone bei 90% (1. Quartal 88,2%) des BIP und für die gesamte EU bei 84,90% (zuvor 83,5%). (Neuere Zahlen sind mir nicht bekannt.)

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist im Vergleich zum Vorquartal im 3. Quartal im Euroraum (ER17) um 0,1% gefallen und stieg in der EU27 um 0,1%.
Im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres ist das BIP im Euroraum um 0,6% und in der EU27 um 0,4% gefallen, nach -0,5% bzw. -0,3% im Vorquartal.

Auf Seiten der EU sehen wir beim BIP im Vergleich zum Vorquartal leicht bessere Zahlen (+0,1%), auf Seiten der Eurozone leicht schlechtere (-0,1%). In Summe könnte man also sagen, die Daten haben sich leicht verbessert oder sind zumindest nicht schlechter geworden. Na das fängt doch schon mal gar nicht schlecht an.
(Den Anstieg der Verschuldung lasse ich bewusst außen vor, da die Daten inzwischen ein halbes Jahr alt sind.)


Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt in Europa hat eine lange Phase steigender Arbeitslosenquoten hinter sich und sah in der Liste vom Oktober noch wie folgt aus:

· Arbeitslosenquote im Euroraum im August: 11,4 % (Juli 11,4%)

· Arbeitslosenquote in der EU27 im August: 10,5 % (Juli 10,5%)

In der Zwischenzeit hatte ich bereits aktuellere Daten präsentiert (zuletzt am 14. November für den Monat September) und die jüngsten Zahlen wurden für den Monat Oktober gemeldet. Im Euroraum (ER17) lag die saisonbereinigte Arbeitslosenquote im Oktober bei 11,7%, gegenüber 11,6% im September und in der EU27 stieg die Quote im selben Zeitraum von 10,6% auf 10,7% an.


(Quelle: Eurostat) saisonbereinigte Arbeitslosenquote für den Euroraum und die EU27

Die höchsten Quoten meldeten erneut Spanien (von 25,8% im September auf 26,2% im Oktober) und Griechenland (von 25,1% im Juli auf 25,4% im August).


(Quelle: Eurostat) saisonbereinigte Arbeitslosenquoten im September 2012

Eine weitere Verschlechterung also und der Trend scheint ungebrochen. Berücksichtigen muss man allerdings, dass die Arbeitsmarktdaten ein nachlaufender Indikator sind.

Wie steht es um die Industrie in Europa?

Was die Industrie in der europäischen Wirtschaft angeht, so sah es bislang wie folgt aus:

Industrie

· Industrieproduktion im Euroraum (ER17) im August 2012 zum Vorjahr: -2,9% (Juli -2,3%)

· Industrieproduktion im Euroraum (ER17) im August 2012 zum Vormonat: +0,6% (Juli +0,6%)

· Industrieproduktion in der EU27 im August 2012 zum Vorjahr: -1,8% (Juli -1,5%)

· Industrieproduktion in der EU27 im August 2012 zum Vormonat: +0,3% (Juli +1,0%)

· Produktion im Baugewerbe im Euroraum (ER17) im Juli 2012 zum Vorjahr: -4,7% (Juni -2,8%)

· Produktion im Baugewerbe im Euroraum (ER17) im Juli 2012 zum Vormonat: -0,3% (Juni -0,5%)

· Produktion im Baugewerbe in der EU27 im Juli 2012 zum Vorjahr: -6,1% (Juni -5,8%)

· Produktion im Baugewerbe in der EU27 im Juli 2012 zum Vormonat: -0,2% (-1,7%)


Abwärtstrend in der Industrieproduktion nimmt Fahrt auf

Leider kann ich auch hier keine guten Daten liefern. Die saisonbereinigte Industrieproduktion fiel im Oktober gegenüber dem Vormonat im Euroraum um 1,4% und in der EU um 1,0%. Schon im September nahm die Produktion um 2,3% bzw. 2,1% ab.


(Quelle: Eurostat) Industrieproduktion des Euroraums und der EU27

Schon in der letzten Analyse vom 14. November musste ich über einen erneuten Einbruch in der Industrieproduktion berichten, nachdem es von April bis August noch nach einer Erholung aussah. Doch der Abwärtstrend hat sich fortgesetzt und sogar beschleunigt.
Im Vergleich zum Vorjahr fiel die Industrieproduktion im Euroraum um 3,6% und in der EU27 um 3,1%.

Interessant finde ich, dass mit Portugal (+4,8%) Irland (+2,7%) zwei krisengeplagte Länder im Monatsvergleich Anstiege verzeichneten. Es kann sich also durchaus lohnen, solchen Ländern zu helfen.
Allerdings sollte man auch berücksichtigen, dass beide Länder im Jahresvergleich (Irland -16,2%, Portugal -3,9%) natürlich noch Aufholbedarf haben.


Abwärtstrend im Baugewerbe ungebrochen

Der Abwärtstrend im Baugewerbe ist unterdessen ungebrochen. Allerdings entwickelten sich der Euroraum und die EU unterschiedlich. Im Euroraum gab es im Oktober einen Rückgang um 1,6% gegenüber dem vorherigen Monat, während in der EU ein Anstieg um 1,6% verzeichnet wurde.


(Quelle: Eurostat) Produktion im Baugewerbe des Euroraums und der EU27

Im Vergleich zum Oktober 2011 ging die Produktion im Euroraum um 4,1% und in der EU27 um 4,4% zurück.


Bislang noch keine Anzeichen einer Bodenbildung

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber ich sehe keine Anzeichen einer Bodenbildung. Eher das Gegenteil ist der Fall.

Bezogen auf den EUR/USD-Wechselkurs bleibt es damit dabei, dass die Konjunkturdaten eher dem US-Dollar Aufwind geben dürften. Allerdings spricht die Geldpolitik (und zum Teil die Charttechnik) eher für den Euro, weshalb es bei der Patt-Situation bleibt, die ich schon sehr lange bei dem Währungspaar sehe.


Ich wünsche Ihnen gute Gewinne
Sven Weisenhaus

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: http://www.investor-verlag.de

Silbernews übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben! - Copyright © by Silbernews.com 2006-2020

© by Silbernews.com