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06.12.14 US-Öl-Schulden könnten zu einem echten Problem werden

Der Großteil der US-Schieferölproduzenten ist massiv überschuldet. Weil ein Schieferölbohrloch nach nur 1 Jahr bereits mindestens 50% seiner Produktion einbüßt, müssen die Förderer ständig neue Bohrlöcher eröffnen. Das führt zu einer beständigen Cash-Verbrennung, die nur deshalb noch nicht zum Einsturz der Schieferölindustrie geführt hat, weil sie sich mit ständig neuen Schulden das Weitermachen bisher leisten konnte.

Doch jetzt hat Saudi-Arabien die Zügel in die Hand genommen und einen handfesten Preiskrieg begonnen. Jetzt werden die großen Schwächen der US-Schieferölproduktion deutlich. Vielleicht mit Ausnahme von Katar, leiden zwar auch alle OPEC-Staaten unter den niedrigen Preisen, erreichen kaum noch einen ausgeglichenen Haushalt (den Iran trifft es besonders schlimm), doch gerade die arabischen OPEC-Staaten können das aushalten. Mit ihren jahrelangen Überschüssen und extrem hohen Reserven schaffen sie es auch noch ein weiteres halbes bis ganzes Jahr mit einem niedrigen Ölpreisniveau mehr als gut zu überleben. (Ok, Länder wie der Iran aber auch Nigeria und der Irak bekommen da schon deutlich ernsthaftere Probleme, sind aber den Saudis und Co. wohl herzlich egal.)

Die Wall Street zieht sich zurück

Doch die US-Schieferölproduzenten sind mehr als alles andere auf das schnelle Geld von der Wall Street angewiesen. Denn es ist diese Wall Street die, immer auf der Suche nach der höchsten Rendite, die Cash-Verbrennung an den Schieferölbohrlöchern finanziert hat. Natürlich verbunden mit hohen Zinsen, schließlich war von Anfang an klar, dass es sich beim Schieferölbohren um ein finanziell riskantes Geschäft handelt.

Ein Geschäft das mit jedem US-Dollar weniger pro Barrel Erdöl immer riskanter wird, aus dem sich immer mehr Investoren verabschieden und für dessen Refinanzierung die Firmen immer höhere Zinsen bieten müssen. Die ersten Großinvestoren wie Pensionsfonds und Hedge-Fonds haben sich bereits aus dem Geschäft der Finanzierung von Schieferölförderern zurückgezogen. Zu riskant, wenn für jeden verdienten US-Dollar, zwei ausgegeben werden müssen.

Laut Standard&Poor`s befinden sich mindestens 75% aller US-Schieferöl-Explorer- und Produzenten unter dem Investment Grad. Soll heißen, wer denen noch Geld gibt, jetzt wo der Boom der Realität Platz machen muss, der ist echt selbst schuld.

Der Anfang vom Ende des Schieferölbooms?

Bis vor 2 Monaten hatten die Schieferölproduzenten noch verzweifelt gegen den Preisverfall angefördert, um überhaupt noch etwas Cash zu verdienen. Doch der Sektor ist längst in der Verzweiflung angekommen, auch wenn in den Mainstream-Medien und von Seiten der Behörden gerne noch das Gegenteil behauptet wird. Doch inzwischen geben einige Schieferölproduzenten ihr Öl am Bohrloch bereits für 50 US-Dollar pro Barrel ab - ein Level bei dem kein mir bekannter Schieferölproduzent mehr irgendetwas verdienen kann. DAS ist pure Verzweiflung!!! Und das wird dazu führen, dass mit dem bereits begonnenen Rückgang der neuen Bohrlöcher, auch die Zahl der aktiven Bohrlöcher sinkt. Spätestens ab Mitte des kommenden Jahres dürfen wir wohl getrost vom Ende des US-Ölbooms sprechen. Mal schauen, welche Fracker dann noch übrig sind.

Doch es könnte sogar noch schlimmer kommen.

Steht uns schon die nächste Schuldenkrise ins Haus?

Der Großteil der an die Schieferölproduzenten in den USA vergebenen Kredite ist von extrem minderer Qualität. Soll heißen, die Zinsen, welche die Firmen bezahlen müssen, sind sehr hoch. So hoch, dass sich die Firmen im Grunde ständig refinanzieren müssen. Doch wenn die Ölpreise tief genug gesunken sind, dann können die Firmen beim besten Willen nicht mehr genug erwirtschaften, um den Schuldendienst zu leisten, werden sich also auch nicht mehr refinanzieren können. Die Analysten der Deutschen Bank gehen davon aus, dass dies bei einem Preislevel von 60 US-Dollar pro Barrel der Fall ist.

Doch was dann passiert könnte die nächste Krise auslösen. Wenn das Preisniveau länger so tief bleibt, dann könnte der Markt völlig austrocknen, der Großteil dieser Junk-Kredite fällig werden und damit die nächste Schuldenkrise in den USA auslösen. (Immerhin stehen Öl-Bonds für mindestens 15% aller Junk-Bonds in den USA.) An die letzte erinnern Sie sich sicher auch noch gut: als die Subprime-Blase platzte, also zu viele Immobilienkredite notleidend wurden, hätte das fast das weltweite Finanzsystem umgeblasen. Und auch diesmal würde ein solches Platzen der US-Schieferöl-Blase weltweit seine Spuren hinterlassen.

So schaurig dieses Szenario klingt, so unrealistisch ist es eigentlich gar nicht. Überlegen wir doch einmal wohin eigentlich das ganze Geld der FED diesmal (also in der letzten Blasenphase) geflossen ist (mit Ausnahme der Aktienmärkte versteht sich). Richtig! Der einzige Sektor, in den tatsächlich reale Investitionen in den USA geflossen sind ist der Schieferölsektor. Alle anderen US-Unternehmen haben hauptsächlich Vorschusslorbeeren und Geld erhalten zum Aktienrückkauf. Dieser Sektor IST die aktuelle Blase der FED und WAR leider auch der Antrieb für das letzte US-Wirtschaftswachstum. Ob ein steigender Konsum, dank niedrigerem Ölpreis in die Bresche springen kann? Wir werden sehen....

So long liebe Leser....Sie wissen ja, es ist eigentlich immer das Gleiche: auf die Blase folgt der Knall, dann wieder die nächste Blase und so weiter...das funktioniert mit immer mehr Geld/Schulden, immer mehr Geld/Schulden und immer mehr Geld/Schulden, bis....keine Ahnung....bis zum bis sind wir bis jetzt ja noch nicht gekommen....aber wissen Sie, was diesmal anders ist?...diesmal würde der Knall auf ein Umfeld treffen, das normalerweise erst nach dem Knall entsteht, mit übermäßiger Liquidität und Niedrigstzinsen...und zwar leider vor allem in Europa, Japan und China....doch wenn Europa, Japan und China wanken, dann fallen inzwischen auch die USA mit um....liebe Grüße und ein erholsames Wochenende...

Ihre Miriam Kraus

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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