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09.12.13 60 Milliarden: Deutschlands Profit beim WTO-Abkommen

von Thomas Kallwass ...Im Eiltempo verhandeln die 159 Mitgliedsstaaten der Welthandelsorganisation WTO ein neues Abkommen. Alle Staaten stimmen am Ende einstimmig dafür.

Das Handelsabkommen der WTO wurde einstimmig von den 159 Mitgliedsstaaten angenommen (Foto: WTO, CC BY-SA 2.0)
Das Handelsabkommen der WTO wurde einstimmig von den 159 Mitgliedsstaaten angenommen (Foto: WTO, CC BY-SA 2.0)

Die Industriestaaten profitieren besonders vom Abkommen

Profiteure des neuen Welthandelsabkommens dürften vor allem die Industriestaaten und dort die Großunternehmen sein. So ist es zum Beispiel künftig verboten, Hilfen für Kleinbauern einzuführen, wenn damit mehr als 10% der landwirtschaftlichen Produktion gefördert wird. Das dürfte sich für die kleinbäuerlich geprägten Entwicklungsstaaten als Problem erweisen. Die Agrar-Großunternehmen in den Industriestaaten können so billig produzieren, dass die Waren selbst inklusive den Transportkosten in den Entwicklungsländern billiger sein dürften als heimisch produzierte Güter.

Trotzdem wird von Wachstumsimpulsen von bis zu einer Billion US-Dollar im Jahr gesprochen. 21 Millionen neue Arbeitsplätze könnten entstehen - angeblich vor allem in den Entwicklungsländern. Wie das funktionieren soll, wenn billig und automatisiert in Industriestaaten produzierte Güter ohne Handelshemmnisse die Märkte der Entwicklungsländer fluten, ist ein Rätsel.

Deutschlands Wachstumsimpuls könnte 60 Milliarden Euro betragen

Dass der Deutsche Industrie- und Handelskammertag die Vorteile für den deutschen Außenhandel auf 60 Milliarden Euro im Jahr beziffert, zeigt bereits, wo die Hauptnutznießer des Abkommens zu verorten sind. Deutschland trägt zu etwa 5,7% zur weltweiten Wirtschaftsleistung bei. Der deutsche Anteil an der Abkommens-Dividende soll aber 8,2% betragen.

Die WTO beeinflusst unser aller Leben

Die Welthandelsorganisation ist eine noch vergleichsweise junge Organisation. Erst im Jahr 1995 nahm sie ihre Arbeit auf. Ihr Ziel: Freier Handel! Diesem Ziel kam die WTO schon sehr nahe. In den letzten 18 Jahren wurden zahllose Handelshemmnisse beseitigt. Dabei achteten die Teilnehmerstaaten leider selten auf faire Bedingungen. Wenn deutsche Firmen mit gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern und strengen Umweltgesetzen gegen chinesische Firmen konkurrieren müssen, die ihre Arbeiter weder gut behandeln noch auf die Umwelt achten müssen, dann ist das ein unfairer Wettbewerb. Dagegen schützen kann sich Deutschland jedoch nicht - der freie Handel nach der Lesart der WTO geht vor.

Mit 159 Mitgliedsstaaten, die zusammen mehr als 90% des weltweiten Handelsvolumens bestreiten, haben die Statuten der WTO weitreichende Folgen für fast die ganze Welt. Ein seit der Gründung bestehendes Problem der WTO ist der Zwang zur Einstimmigkeit. Ein Problem, das bei der jüngsten Abstimmung nicht zum Tragen kam.

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Quelle: http://www.investor-verlag.de

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